JAMLAB im come2gether

Begonnen hat alles knapp vor Corona. Plötzlich war kaum mehr etwas möglich, Angebote durften kaum gesetzt werden, still beschäftigen war bei den Jugendlichen angesagt. Für uns im c2g war das die Möglichkeit, unser gerade erst eröffnetes Tonstudio zu etablieren. Während der Pandemie produzierten bis zu zehn Musiker:innen (selbstverständlich nach strengen Regeln) ihre Tracks im ersten Stock in der Baumgasse.

Die Erfahrungen, die wir mit unserem Studio gesammelt haben, brachte uns auf die Idee, unseren Besucher:innen unser im Laufe der Jahre angesammeltes Instrumentenlager im Rahmen eines Teenienachmittags und eines Jugendabend zur Verfügung zu stellen. Vorkenntnisse waren nicht notwendig, die Instrumentenpalette reichte von Cajon und Tamburin über ein Keyboard, das automatisch Rhythmus und Begleitung einspielte bis hin zu sehr anspruchsvollen Instrumenten wie einem einfachen Drumset (Bass, Snare, Hi-Hat), Gitarren und E-Bass. Im Laufe der Zeit wurde das Equipment erweitert und unter anderem auch eine kindgerechte kleine E-Gitarre angeschafft.

Unser Ziel war, den Kindern, Teenies und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, sich unter Anleitung an möglichst vielen Instrumenten auszuprobieren. Perfektion steht dabei nicht im Vordergrund, sondern der Spaß am kreativen Akt und die Möglichkeit, sich über Musik auszudrücken. Durch den niederschwelligen Zugang sollen Berührungsängste abgebaut und musikalische Talente gefördert werden.

Jeder zweite Donnerstag steht im Zeichen des Jamlabs. Wer Lust hat, setzt sich hinter das Schlagzeug, das Keyboard und nimmt sich Gitarre oder Bass. Es gibt eine kurze Einschulung. Gespielt wird ein einfacher 4/4-Takt, die Akkorde E, A, D und G werden bevorzugt. Warum? Weil es einfacher ist, dazu eine Bassline zu finden. Es reicht, die Seiten zu zupfen, greifen ist nicht notwendig.

An manchen Tagen reicht es nicht einmal für eine kleine Harmonie, die Wucht der Atonalität hat schon manche Besucher:innen verstört und Jamlab macht vor allem Spaß, wenn man mitmacht. An manchen Tagen aber entwickelt sich aus einem 4/4-Rhythmus ein einfaches Stück, das von einer jaulenden Gitarre (merke: Effektgeräte ersparen manche Probestunde) akzentuiert wird.

Das Jamlab ist ein Labor, in dem wir immer wieder an den Rahmenbedingungen schrauben. Was sich von Anfang an nicht verändert hat, ist der niederschwellige Zugang. Alle dürfen, niemand muss. Das, was gespielt wird, entzieht sich jeder Kritik und eine andere Bewertung als Applaus ist nicht erwünscht. So soll ein Raum entstehen, der Berührungsängste (zum Beispiel zu Instrumenten) abbaut und Kreativität fördert.


Autor*in: Christian Orou
Kontakt:

Stadt Wien MA13

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