Der vorerst letzte Durchgang der Ausbildung für Lehrlinge zu Konfliktlots:innen war wieder ein großer Erfolg

Wer an Berufsschule denkt, erhält oft Bilder von Werkstätten, Fachunterricht und Prüfungen. Weniger sichtbar ist, wieviel Lernen auch im sozialen Miteinander passiert, in Gesprächen, in Spannungen und in Konflikten. Dabei ist eine Lehre ohnehin mehr als eine Ausbildung. Für viele junge Menschen ist sie einer der ersten Schritte ins Erwachsenwerden, weil sie zum ersten Mal Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und mit Konsequenzen umgehen lernen. Gleichzeitig passiert in dieser Zeit alles auf einmal: Gefordert wird im Betrieb zu funktionieren, in der Schule mitzukommen und sich im eigenen Leben neu zu orientieren. Nichts davon passiert getrennt voneinander, sondern alles greift ineinander. Und genau dort entstehen auch Konflikte. Nicht als Ausnahme, sondern als Teil dieser Realität und Entwicklung.

Genau hier setzt der Konfliktlots:innen-Lehrgang des KUS Netzwerk an! Er macht Konflikte nicht zum Problem, das möglichst schnell „wegmoderiert“ werden muss. Stattdessen lernen Jugendliche Konflikte konstruktiv zu bearbeiten und als Chance für Verbesserung zu sehen. Das Konzept der Peer-Mediation basiert auf einem Zugang, der oft unterschätzt wird, nämlich, dass Gleichaltrige sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam Lösungen finden können.

In diesem Schuljahr konnte noch einmal ein Konfliktlots:innen-Lehrgang stattfinden. Als die teilnehmenden Lehrlinge ihre Zertifikate erhielten, war das ein besonderer Moment; Ein Moment des Innehaltens und gleichzeitig ein Blick auf das, was hinter ihnen liegt: Eine Zeit des Übens, Reflektierens und Ausprobierens. Viele der Jugendlichen brachten bereits wichtige soziale Kompetenzen mit, die sie im Lehrgang weiterentwickeln und gezielt einsetzen konnten. Mit diesen gestärkten Fähigkeiten wirken die frisch zertifizierten Konfliktlots:innen genau dort, wo es zählt: In der Berufsschule, im Ausbildungsbetrieb und in der Peergroup. Ein Moment, der sichtbar macht, was möglich ist, wenn man jungen Menschen etwas zutraut und ihnen die richtigen Werkzeuge gibt und wie groß die Motivation dieser jungen Menschen ist, für ihre Mitschüler:innen, Kolleg:innen, für sich selbst und für eine gelungene Kommunikation und Konfliktlösung einzutreten.

Seit 2010 begleitete der Lehrgang Wiener Berufsschüler:innen dabei diese Rolle zu übernehmen. Er zeigt auf, dass die Fähigkeit Konflikte fair zu lösen etwas ist, das gelernt werden kann. Über die letzten Jahre sind an die 400 Lehrlinge zu Konfliktlots:innen ausgebildet worden. Davon profitieren viele: Mitschüler:innen, die Unterstützung bekommen; Klassen, in denen Situationen nicht eskalieren; Betriebe, in denen junge Menschen Verantwortung übernehmen und Lehrlinge selbst, die merken, dass sie nicht nur Teil eines Systems sind, sondern es auch mitgestalten können.
Gerade deshalb ist es schade, dass dieser Lehrgang nicht fortgesetzt werden kann. Wir blicken zurück auf viele Jahre, in denen die Ausbildung zu Konfliktlots:innen stark nachgefragt wurde und erfolgreich stattfinden konnte. Wir hoffen, dieses Angebot bald wieder in unser Programm aufnehmen zu können und den Lehrlingen diese wertvolle Ausbildung zu ermöglichen. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmer:innen, Wegbegleiter:innen sowie den Trainer:innen Gudrun Janach-Wolf und Ulrike Denk für 15 Jahre wichtige und nachhaltige Konfliktlots:innen-Arbeit in Wien.


Autor:innen: KUS-Netzwerk

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