Seit 11 Jahren ist das Frauen*café ein fixer Bestandteil des Jugendtreffs Eleven des Vereins Wiener Jugendzentren und ein wichtiger Baustein unserer gemeinwesenorientierten Arbeit in Simmering. Jeden Donnerstag von 10:00 bis 12:00 Uhr schafft dieses Angebot Raum für Begegnung, Austausch, Unterstützung und gemeinsame Aktivitäten.
Die Gruppe ist offen und vielfältig: Zu den Besucherinnen zählen ehemalige Jugendliche, deren Mütter, Mütter aktueller Besucherinnen, sowie Nachbarinnen und Grätzlbewohnerinnen aus unterschiedlichen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen.
Viele dieser Frauen aus der Nachbar:innenschaft sind zu wichtigen Multiplikatorinnen für den Jugendtreff Eleven im Stadtteil und im Bezirk geworden. Durch ihre regelmäßige Teilnahme und die positiven Erfahrungen mit unserer Arbeit sind die Akzeptanz und die positive Wahrnehmung der Jugendarbeit in der Wohnhausanlage gestiegen, während Beschwerden zurückgegangen sind.
Was als Begegnungsangebot begann, hat sich zu einem wichtigen sozialen Treffpunkt mit niederschwelligen, sozialarbeiterischen Beratungsbedarf entwickelt.
So liegt ein Schwerpunkt auf konkrete Unterstützung im Alltag, etwa beim Ausfüllen von Anträgen aber auch bei der Nutzung von Smartphones und dem Umgang mit Online-Anmeldesystemen. Das Frauen*café hilft somit dabei, gesellschaftliche Teilhabe auch im digitalen Raum zu ermöglichen.
Das Frauen*cafe dient auch als Ort der Information und Vernetzung, indem die Besucherinnen von Angeboten und Beratungsstellen erfahren und bei Bedarf weitervermittelt, werden können. Die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen, wie z.B. „Community -Nursing“ ermöglicht außerdem konkrete Unterstützung, etwa bei der Wohnraumbeschaffung für eine rollstuhlfahrende Besucherin.
Im Mittelpunkt steht aber viel mehr die gemeinsame Zeit: Geburtstagsfeiern, Adventkranzbinden, Basteln, Tischtennis, Karten- und Brettspiele sowie Ausflüge sorgen für Gemeinschaft und Abwechslung. Eine Tauschbörse für Kleidung und Alltagsgegenstände fördert Solidarität und gegenseitige Hilfe. Eine Besucherin kann dadurch beispielsweise ihre Mindestpension durch Flohmarktverkäufe aufbessern und über die Tauschbörse, die Waren erhalten, die sie für das tägliche Leben braucht.
Besonders wertvoll ist die Vielfalt der Frauen* und ihrer Lebensgeschichten. Gespräche zwischen Frauen* mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen fördern Sprachkompetenz, bauen Vorurteile ab und schaffen Raum für Akzeptanz und unterschiedliche Lebensweisen. Auch kontroverse politische und gesellschaftliche Diskussionen finden Platz. So werden Kommunikation, unterschiedliche Perspektiven und eine konstruktive Auseinandersetzung gefördert.
Die langjährige Beziehungsarbeit zeigt auch über das Frauen*café hinaus Wirkung. Ehemalige Jugendliche kommen mit ihren Kindern zurück und Mütter von aktuellen Besucherinnen gewinnen zunehmend Vertrauen in die Jugendarbeit des Jugendtreffs, wodurch auch ihre Töchter, mehr Handlungsspielraum erhalten. Dies zeigt sich zum Beispiel, dass sie häufiger unsere Angebote in Anspruch nehmen können.
Ein weiteres beobachtbares Ergebnis sind die entstandenen Beziehungen und die gemeinsam verbrachte Zeit. Die Frauen* treffen sich auch außerhalb des Frauen*cafés und verbringen Zeit miteinander. Dadurch wachsen tragfähige Freundschaften, die Einsamkeit im Alter verhindern und aktiv die Gesundheit fördern.
Das Frauen*café ist damit weit mehr als ein wöchentliches Angebot. Es schafft Raum für Gemeinschaft, Freizeit und Unterstützung unabhängig von der sozioökonomischen Situation und leistet einen Beitrag zu gesellschaftlicher Teilhabe und Gleichstellung. So ist das Frauen*cafe zu einem wichtigen Ort für Frauen*, für das Grätzl und für die Vernetzung im Stadtteil geworden und zeigt, wie nachhaltig 11 Jahre gemeinwesenorientierte Arbeit wirken kann!
