Wenn am Donnerstag in den Räumlichkeiten von Zeit!Raum 15 die ersten Beats erklingen, verändert sich die Atmosphäre schlagartig. Kinder, die einander erst kennenlernen, bewegen sich im gleichen Rhythmus, lachen miteinander und verlieren ihre Scheu. Musik schafft Verbindungen, das Angebot zeigte eindrucksvoll, welche Kraft in diesem Zusammenspiel aus Klang, Bewegung und Gemeinschaft steckt.
Ein Angebot erfindet sich neu
Zu Jahresbeginn bot Zeit!Raum 15 noch zwei Formate an: „Rhythmik und Gesang“ sowie „Tanzgrenzenlos“. Während Letzteres auf reges Interesse stieß, blieb das Gesangsangebot hinter den Erwartungen zurück. Die Konsequenz: eine inhaltliche Neuausrichtung. Ab Mai wurden beide Formate zum neuen Programm „Musik und Tanz“ zusammengeführt – mit spürbarer Wirkung.
Das Angebot verzeichnete im Laufe des Jahres stetig steigende Teilnahmezahlen, besonders im Tanzbereich. Maßgeblich dafür war der klare Fokus auf Inklusion. Kinder mit unterschiedlichsten körperlichen, sprachlichen, kulturellen und sozialen Voraussetzungen nahmen gemeinsam teil. Sie bestimmten Musik, Rhythmus und Choreografien mit und erlebten, wie ihre Ideen das Gesamtbild prägten. Das stärkte Kreativität, Selbstbewusstsein und das Gefühl, Teil einer Gruppe zu sein.
Ein Flashmob als starkes Zeichen
Einer der bewegendsten Momente des Jahres fand mitten in der Wiener Innenstadt statt. Beim gemeinsamen Flashmob am Stephansplatz tanzten die Kinder Seite an Seite mit der inklusiven Tanzgruppe „Ich bin O.K.“ – ein sichtbarer, lebendiger Ausdruck dafür, dass Vielfalt nicht nur akzeptiert, sondern gefeiert wird. Für viele Beteiligte war es der erste große Auftritt vor Publikum. Für die Passant*innen ein unerwarteter Einblick in gelungene Inklusionsarbeit.
Pädagogische Herausforderungen – und neue Antworten
Hinter den Erfolgen standen aber auch Herausforderungen. Unterschiedliche Altersstufen, wechselnde Bedürfnisse und sensible Geschlechterdynamiken verlangten nach klar strukturierten Lösungen. Ältere Kinder fühlten sich teilweise unterfordert, was zu einer altersgerechteren Aufteilung führte. Gleichzeitig zeigte sich, wie wichtig Sensibilisierung und klare Regeln für einen respektvollen Umgang sind. Das Team reagierte flexibel: spielerische Methoden, regelmäßige Pausen, kreative Tools wie „Just Dance“, Cup Songs oder nonverbale Ausdrucksformen sorgten dafür, dass jedes Kind unabhängig von Sprache oder Unterstützungsbedarf mitmachen konnte.
Gelebte Inklusion
Ein zentrales inklusives Element war die „Begriffebox“, mit den Themen wie Vielfalt, Zugehörigkeit, Respekt und Anderssein regelmäßig gemeinsam reflektiert wurden. Inklusion wurde damit nicht nur praktiziert, sondern auch bewusst thematisiert und kindgerecht erfahrbar gemacht. Die enge Kooperation mit der Parkbetreuung und die Ausweitung der Aktivitäten in den öffentlichen Raum trugen zusätzlich dazu bei, dass das Angebot möglichst niedrigschwellig und für alle zugänglich blieb. Ab September wurde die Gruppe vergrößert – neue Kinder konnten gut integriert werden, und die Struktur blieb dabei stabil und lebendig. „Musik und Tanz“ hat sich als ein inklusives, kreatives und bewegungsfreudiges Angebot etabliert, das auf die individuellen Fähigkeiten und Interessen der Kinder eingeht. Es zeigt eindrucksvoll, wie durch Musik, Bewegung und Gemeinschaft echte Teilhabe möglich wird – ganz im Sinne der offenen, inklusiven Kinder- und Jugendarbeit von Zeit!Raum.
Verfasser/ Kontakt
Reyhan A-Badri, Zeit!Raum 15
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