Oft werden wir gefragt: „Spielt ihr den ganzen Tag nur?“ Unsere Antwort lautet: Ja, aber mit System!
Das gemeinsame Spiel – egal ob am Tischtennistisch oder beim Kartenspielen – ist nie nur Zeitvertreib. Es ist eine unserer wichtigsten Methoden in der Jugendarbeit, um eine Brücke zu unseren Besucher:innen zu bauen. Aus Spiel und Spaß entsteht das Vertrauen, das notwendig ist, damit sie sich uns mit persönlicheren Themen anvertrauen: Hilfe bei der Lehrstellen- bzw. Jobsuche, Probleme in der Familie, Liebeskummer oder auch Zukunftsängste.
Dieses tiefe Vertrauen, welches beim Spielen beginnt, ist manchmal auch erst viel später sichtbar. Es führt dazu, dass Besucher:innen, die mittlerweile auch über 20 Jahre alt sind, den Kontakt zu uns nicht abreißen lassen wollen bzw. immer wieder mal Kontakt mit uns aufnehmen.
So erreichte uns kürzlich die Nachricht eines ehemaligen Besuchers, der uns nach alten Fotos aus seiner Zeit im Jugendtreff Eleven fragte. Nachdem wir ihm die Bilder schließlich geschickt hatten, kam nur eine kurze, aber vielsagende Antwort zurück: „Ich vermisse die alten Zeiten.“
Ein weiteres schönes Beispiel für diese nachhaltige Wirkung erlebten wir, als wir mit einem ehemaligen Jugendlichen, der früher täglich bei uns war, ins Gespräch kamen. Er erzählte uns stolz, dass er heute selbst Kinder in der Nachmittagsbetreuung unterrichtet. Auf unsere scherzhafte Nachfrage, ob die Kinder manchmal anstrengend sind, meinte er: „Wenn ich damals zu euch auch so war, dann muss ich mich heute wirklich bei euch entschuldigen!“
Viele vermissen den Ort, an dem sie nette Erlebnisse erfahren und schöne Gespräche mit uns geführt haben, so sehr, dass sie hin und wieder vorbeikommen, um uns Neuigkeiten aus ihrem Leben zu erzählen oder z. B. eine kurze Runde Tischtennis zu spielen – so wie früher.
Um dieser besonderen Bindung, die sich über die Jahre aufgebaut hat, auch im jungen Erwachsenenalter Rechnung zu tragen, haben wir den „OG-Club“ ins Leben gerufen. Einmal im Monat steht der Jugendtreff exklusiv für alle zwischen 18 und 25 Jahren zur Verfügung. Der Titel „OG“ steht hier für „Originals“, die größtenteils dem Jugendbetrieb entwachsen sind.
Es ist ein Raum, um in Erinnerungen zu schwelgen, sich mit anderen ehemaligen Besucher:innen von früher auszutauschen und sich gegebenenfalls bei uns Rat zu holen. Obwohl der „OG-Club“ erst vor Kurzem gestartet ist, hat er sich in kürzester Zeit fest etabliert. Der Zuspruch bestätigt uns, dass ein echtes Bedürfnis für dieses Angebot besteht und wie wichtig dieser Raum für junge Erwachsene ist.
Diese Beispiele sind für uns weit mehr als nur schöne Anekdoten oder Komplimente. Sie führen uns vor Augen, dass unsere Arbeit über die bloße Freizeitgestaltung hinausgeht und Spuren hinterlässt, die weit über die Jugendzeit hinauswirken.
Tagtäglich schaffen wir einen Raum, in dem junge Menschen nicht nur gesehen und gehört werden, sondern Unterstützung und echte Wertschätzung erfahren. Durch die dadurch entstandenen und beständigen Beziehungen zu uns Jugendarbeiter:innen entstehen wertvolle Momente, die unsere Besucher:innen noch lange Zeit als positive Erinnerungen begleiten und sie nachhaltig in ihrer persönlichen Entwicklung wie auch auf ihrem weiteren Lebensweg stärken.
Autor: Husam Abdel-Qader für Jugendtreff Eleven
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